Berlin,

Mit seiner langjährigen Erfahrung in der Führung und Beratung von internationalen Unternehmen wie Bigpoint und MTV, vervollständigt der Londoner Unternehmer Simon Guild das Board des Lern-Tools Babbel. In diesem Interview erklärt uns Simon, wieso er sich für Babbel entschieden hat.

Simon, in einem Interview sagten Sie vor Kurzem: „Schießen Sie nicht den Gründer ab (zumindest nicht sofort). Arbeiten Sie mit ihm/ihr." Welchen der drei Gründer würden Sie am ehesten abschießen?

Ich mag es überhaupt nicht, Gründer abzuschießen. Bei Babbel läuft es fantastisch, daher kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, warum Sie zum jetzigen Zeitpunkt irgendjemanden abschießen wollten. So etwas sollten Sie nur tun, wenn die Dinge ernsthaft schief laufen und Sie sicher sein können, dass das Unternehmen sonst ein Jahr verlieren würde.

Wenn die Entlassung des Gründers die letzte Wahl ist, was sollte man dann als neues Board-Mitglied zuerst tun?

Ich arbeite so, dass ich tief eindringe in die Firmen, in deren Vorstand ich bin. Dabei ist es extrem wichtig, Beziehungen innerhalb des Unternehmens aufzubauen, und das bedeutet eine intensive Arbeit mit den Gründern. Ich beginne oft damit, zu betonen, dass Analysen eine gute Grundlage für die richtige Entscheidungsfindung sind. Man soll immer die Ursachen des Problems behandeln, nicht die Symptome. In einer Rede habe ich kürzlich das Beispiel von kleinen Kindern verwendet, die beim Abendessen irrational anfangen zu schreien, weil das Gemüse das Fleisch berührt. Das nächste, was man weiß, ist, dass sie schreien, weil das Gemüse das Fleisch nicht berührt. Ich habe also das Publikum gefragt, was man gegen Irrationalität tun kann. Meine Frau hatte die richtige Antwort. Man sagt: „Ich denke, Du bist müde und musst ins Bett.” So identifiziert man das wahre Problem. Leider denkt ein Investor oft, dass das einzige, was er tun kann, darin besteht, den Gründer zu entlassen, da er im Allgemeinen die einzige Person ist, die der Investor gut kennt. Ich lerne gern das ganze Team kennen. Bei Babbel hatte ich von Anfang an ein sehr gutes Gefühl mit dem Team, und das hat einen großen Unterschied gemacht. Ich mochte die Gründer wirklich. Ich hatte den Eindruck, dass sie gute Menschen sind. Sie haben ein gutes Gefühl dafür, was sie zu erreichen versuchen. Es gibt einige schlechte Menschen auf der Welt, und ich persönlich arbeite lieber mit den guten!

Welche Gründe haben Sie außerdem dazu bewogen, als Board-Mitglied zu Babbel zu kommen?

Ich glaube, dass Babbel am richtigen Ort mit dem richtigen Team und dem richtigen Produkt angefangen hat. Es hat bereits angefangen, zu definieren, wie wir heute Sprachen lernen und wie wir das in der Zukunft tun werden. Und mir gefällt das Geschäftsmodell des Abonnements. Ich habe auch ein persönliches Interesse an Babbel: Meine Frau ist Französin, und wir sprechen zu Hause Französisch. Ich spreche außerdem Deutsch und ein bisschen Spanisch. Meine Kinder lernen ebenfalls diese Sprachen. Dank Babbel habe ich jetzt mit Niederländisch angefangen, und durch Babbel macht dieses Lernen sogar Spaß - das können meine niederländischen Freunde kaum glauben!

Die Herausforderung, die Babbel angenommen hat, und die Art und Weise, wie es funktioniert, besteht darin, dass das Unternehmen sich darauf konzentriert, die Erfahrung sowohl unterhaltsam als auch lohnend zu gestalten. Wie beim Spielen geht es beim Lernen einer Sprache darum, etwas zu erreichen und dabei Spaß zu haben. Das Lernen von Sprachen hat auch den Vorteil, dass man selbst ein besseres Gefühl hat, wenn man Fortschritte macht, weil man eine Fähigkeit für die „echte Welt” erlernt, die sich nur durch mangelnde Praxis wieder verschlechtert.

Ich habe etwas richtig gemacht. Ich habe etwas erreicht. Ich kann kommunizieren. Mir gefällt das.

Sie haben einmal gesagt, dass man als Board-Mitglied das Verhalten von Kunden und Mitbewerbern wie ein Adler beobachten sollte. Was denken Sie über die Kunden und Mitbewerber von Babbel?

Als ich mir den Wettbewerb angesehen habe, habe ich gesehen, dass es viele Sprachlernunternehmen gibt, doch keines davon hat sich - bisher - wirklich erfolgreich am globalen Markt positioniert. Und keines davon hat meiner Meinung nach das richtige Marketing. In diesem Bereich gibt es vieles ‘kostenlos’. In den ersten Jahren der Online-Spiele haben wir betont, dass man ‘jetzt umsonst spielen’ kann. Für den Anfang ist das hilfreich, aber jetzt, wo die Leute wissen, dass Spiele kostenlos sind, müssen wir ihnen andere Gründe zum Spielen liefern. Sobald ich sehe, dass etwas kostenlos ist, frage ich mich, wie viele damit erreicht werden. Wie machen diese Leute Geld? Verkaufen sie meine Daten an die NSA? Ich denke, dass wir mit den Verbrauchern ehrlich sein können und sollten, und sagen sollten, dass es eine kostenlose und eine zahlungspflichtige Stufe gibt. Und die Bezahlstufe ist ihr Geld wert. Babbel hat ein gutes Produkt, von dem ich denke, dass die Menschen bereit sind, dafür zu bezahlen.

Die Kunden von Babbel sind ein bunter Haufen, denn es gibt unzählige Gründe, warum Menschen eine Sprache lernen, und zahlreiche verschiedene Menschen, die lernen möchten.

Sprachen werden nie verschwinden, denn Sprachen sind ein Teil der eigenen Identität und Kultur. Wenn man 100 Wörter Englisch sprechen kann, ist das gut, um zu überleben. Wenn man 500 Wörter Niederländisch spricht, beeindruckt das alle. Und genau darum ist Babbel ein universelles Produkt.

Simon, Sie waren und sind an vielen Start-ups beteiligt. Was denken Sie über die deutsche Start-up-Szene?

Deutsche Start-ups sind einige der besten, die ich in Europa gesehen habe. Vielleicht hatte ich Glück, das weiß ich nicht, aber die deutschen Unternehmen, mit denen ich jetzt arbeite und bis vor Kurzem gearbeitet habe, sind sehr erfolgreich. Berlin ist offensichtlich ein interessanter Ort für Start-ups in Deutschland. Mir gefällt, dass es in nur wenigen Jahren so international geworden ist. Und es ist noch immer die günstigste Hauptstadt Westeuropas, die genau die jungen Leute anzieht, die man in den frühen Phasen eines Unternehmens braucht. Ich denke, dass es in den nächsten zwei oder drei Jahren schwerer werden wird: In viele Unternehmen wurde viel Geld investiert, und viele von ihnen werden nicht funktionieren. Das ist normal, aber in Berlin vielleicht noch nicht oft vorgekommen. Doch Babbel wird keines von diesen Unternehmen sein, denn es ist ein außerordentlich gutes Unternehmen.

Vor welchen Herausforderungen steht Babbel? Und welche Visionen haben Sie für die Zukunft des Unternehmens?

Ich denke, dass es einige interessante Herausforderungen gibt. Zum Ersten: Internationalisierung. Das ist einer der Schlüsselbereiche, in denen ich den Unternehmen, an denen ich beteiligt bin, helfe. Als ich bei Bigpoint einstieg, war es ein sehr deutsches Unternehmen. Wir haben es richtig international aufgestellt - und damit eine ganze Menge Geld gemacht. Zum Zweiten: Differenzierung. Babbel ist nicht das einzige Sprachlernunternehmen am Markt, daher müssen wir eine klare Differenzierung erreichen. Um was geht es bei Babbel wirklich? Nach meiner Erfahrung sind viele Internet-Start-ups im Bereich Marketing schwach. Das ist eine starke Verallgemeinerung, aber die meisten davon sind Produktunternehmen. Sie fangen mit einer guten Produktidee an und wissen, wie man Kunden akquiriert, doch sie haben nicht unbedingt viel Ahnung von Marketing. Es geht darum, das Produkt im Kopf der Verbraucher zu verankern. Das ist ganz wesentlich, wenn es viele Mitbewerber gibt. Das Angebot von Babbel ist einfach und klar. Die Herausforderung besteht darin, das Produkt in verschiedenen Ländern zu positionieren und verschiedenen Personengruppen leicht unterschiedliche Erfahrungen zu ermöglichen. Es liegt nahe, dass Deutsche wissen wollen, wie Dinge funktionieren, also sind Anweisungen wichtig. Dagegen sind die Menschen in Großbritannien intuitiver, also ist eine einfache Bedienung wichtig. Babbel möchte das Interesse von ihnen allen am Sprachenlernen aufrecht erhalten.

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